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Die Jägerprüfung – Teil 2

Prolog

Ich hatte die letzten zwei Tage Urlaub um in aller Ruhe auf die Prüfung vorbereiten zu können. Mir ist dabei mal wieder aufgefallen wie umfangreich der Stoff ist wie viele Frage gestellt werden können.

Ich trainere mit den Heintgeskarten die Ansprache von Haarwild und schaue mir im Haarwild-Lernheft die sehr guten Übersichtstabellen zu Zahnwechseln und Verfärbungszeitpunkten an. Federwild schaue ich nur einmal kurz durch, da hoffe ich auf meine ornithologischen Kenntnisse.

Waffensachkunde und Waffenrecht ist auch nur einmal kurz scannen, passt aus meiner Sicht (eine Fehleinschätzung wie sich zeigen soll), Jagdpraxis arbeite ich durch, ebenso wie Wald- und Landbau. Der letzte Tag konzentriert sich auf Wildkrankheiten und Harrwild. Beim Abendessen lese ich mir das JWMG und die Durchführungsverordnung in Ruhe durch (eine sehr gute Idee).

Freitag 14. Juli 2017 8 Uhr

Es ist soweit, heute soll sich zeigen, ob wir zu Mittag das begehrte Dokument ausgehändigt bekommen. Die Prüfer geben den knapp 15 anwesenden Prüflingen eine Einweisung wie der Tag abläuft und wo welche Stationen zu finden sind. Ich habe Glück, wir sind in einer Dreiergruppe aus „meinem“ Kurs, somit kenne ich meine Mitstreiter. Die Fächer 1 und 5 werden eh einzeln geprüft. Die einzelnen Gruppen starten versetzt um möglichst viel zu parallelisieren.

Wir begannen mit Fach 2: Waffensachkunde

Ich bekomme die ersten Fragen gestellt.

„Welche Arten von Feuerwaffen gibt es?“ OK, auf die Schreckschuss und Signalwaffen bin ich jetzt nicht gekommen, aber gut.

„Was ist die GEE. Bei wieviel Metere leigt diese und wenn ein Fuchs in 20m am Hochsitz beschossen wird, wie müssen Sie dann anhalten?“

Nur um zwei exemplarische Beispiele zu geben. Die Prüfer sind sehr förmlich, es wird wenig geholfen und ich habe nicht den Eindruck des allgmein „wir sind dran interessiert Sie zu unterstützen und durch die Prüfung zu kommen“, mag aber sein, dass mein Eindruck durch die gefilterte Wahrnehmung einer Prüfungssituation getrübt ist. Auf jeden Fall kommen dann Fragen, in welchen ich es verfluche, dass ich mir den Heintges nicht noch einmal genauer angesehen habe: „Was bedeutet der rote Ring um das Zündhütchen dieser Patrone?“ – Mist, da bin ich blank.

Nach 15 Minuten bin ich fertig – vor allem mit den Nerven. Wenn das den ganzen Vormittag in diesem Stil weitergeht, dann gute Nacht. Es folgt der Nächste. Nach 45 Minuten sind wir 3 fertig und begeben uns zur

Station 3: Jagdpraxis

Vor uns steht ein langer Tisch mit jeder Menge Utensilien vom Hundeortungsgerät über Fährtenschuhe und Blanken Waffen bis hin zu Blattern und Leitern von Hochsitzen. Diesmal beantworten wir die Fragen gemischt, d.h. jeder ist dran, darf sich etwas raussuchen. Oder wird dann direkt von den Prüfern gefragt falls dieser den Eindruck hat jemand wüsste zu dem aktuellen Thema nichts. Wir sollen jeder aus einer Heintgeskartensammlung für Jagdhunde einen ziehen (wo zur Hölle gibt es diese Karten, sowas habe ich gesucht). Ich identifzieren meinen Griffon gleich mal als Deutsch-Stichelhaar. Zum Glück passt alles Gesagte in Bezug auf Einsatz. Vorstehhund bleibt Vorstehhund. Die einzelnen Prüfungen werden gefragt und danach geht es für jeden von uns zusammen mit einem Prüfer auf Pirsch und zu einem Hochsitz. „Wie pirscht man zu zweit?“-„Wie sind die Waffen zu führen?“ – Was ist vor dem Aufbaumen auf den Hochsitz zu beachten?“ – „Ist der Hochsitz Ihrer Meinung nach sicher?“ – „Anschlag auf Keilerattrappe?“ – Gut da ist die Autobahn dahinter. Sollte man nicht.

Auf den umgebenden Hügeln sind Attrappen von Fuchs, Keiler, Reh und Gams. „Würden Sie schiessen?“. Das ist echt mal praxisnah und mir kommen die Beurteilungen von Ralf im Revier Dachsberg wieder in den Sinn. Ich entscheide mich für nicht schießen bei einem Fuchs mit Kies im Hintergrund. Der Prüfer ist scheinbar etwas andere Ansicht. Auf mein „jeder ist für seinen eigenen Schuss verantwortlich und ich finde es zu unsicher“ ernte ich ein breites Grinsen.

Gemeinsam gehen wir die Fallen durch und beprechen wie gefangene Tiere am besten abzufangen seien.  Nach knapp 45 Minuten sind wir durch und begeben uns zu

Station 4: Jagdrecht

Hier bin ich echt froh noch mal da JWMG und dessen Durchführungsverordnung in aller Ruhe konplette am Vorabend gelesen zu haben. Wir werden der Reihe nach mit jeweils einer Frage geprüft und dann beginnt die Runde von vorne. Die zwei Tage bei Herrn Rieger zahlen sich jetzt aus. Wir wissen auf alles mehr oder weniger gute Antworten. Die Prüfer loben unsere gute Vorbereitung und so können wir weiter zur

Station 5: Wildbrethygiene und Wildkrankheiten

Eine Einzelprüfung. Es hängen die inneren Organe eines Wildschweins in einer Ecke und andere liegen in einer Wanne. Es geht los mit dem Beschreiben der Ansprache vor dem Schuss, dem Aufbrechen, dem Transport, der Beschreibung einer Wildkammer, dann Wechsel zu den Organen. Handschuhe an und beschreiben: Lecker, Drossel, Schlund, Lungenflügel, Herz, Leber, Zwerchfell. Ein wenig nach der Gallenblase suchen (uups, die ist aber gross). Beurteilung: Alles OK.

Dann zur Wanne. Sofort fällt die veränderte Struktur der Lunge auf und deren Verwachsung mit dem Zwerchfell. Beurteilung: Nicht OK. Noch ein paar Fragen zur aktuellen Gefahr der Schweinepest. Damit sollte ich es auch geschafft haben.

Die letzte Station 1: Wildtierkunde, Land- und Waldbau und Naturschutz

Hier geht es zügig voran. Kitzrettung, Präparate bestimmen (Rabenvögel für mich, Jippieh), Bäume und Sträucher, Wildschäden und Gegenmaßnahmen benennen, nach knapp 8 Minuten bin ich fertig. Habe nur den Haselnussstrauch nicht erkannt. Kann ich mit leben, die Prüfer scheinbar auch.

Auf dem Weg zurück rekapituliere ich die Prüfung. Alle Kandidaten die in einem Fach durchgefallen sind haben schon die Mitteilung erhalten. Bei mir war noch keiner, also gehe ich mal davon aus, dass ich vielleicht bestanden habe. Aber keine voreiligen Schlüsse. Erst mal ruhig und sicher spielen.

Das Warten bis alle Gruppen durch sind zerrt an den Nerven, die Gespräche mit den anderen zeigen, dass so jeder bei dem einen oder anderen Fach besser oder schlechter war.

Die erlösende Nachricht: 3 Durchfaller heute. Ich bin nicht dabei. Somit bekomme ich tatsächlich mein Prüfungszeugnis. Yeah.

Wir gratulieren uns und sind glücklich.

Ich mach mich gleich auf den Weg zum Fotografen für Passbilder. Ich will ja am Montag den Jagdschein beantragen.

Fazit mündliche Prüfung

Ich bin froh, dass ich die Sache nicht zu locker angegangen bin. Die zwei Tage Urlaub zum Lernen waren die richtige Entscheidung. Ich habe gemerkt, dass ich gutes Wissen zu den einzelnen Bereichen hatte und das auch bei den Prüfern besser ankam, als wenn sie nach richtigen Antworten suchen müssen. Auch die Praxisgespräche während der Ausbildung waren Gold wert. Weil sie eben genau das gemacht haben was sie sollten, kein Buchwissen, sondern Ansichten von Praktikern, die sich einfach so in mein Wissensnetz integriert haben. Ich denke mir dem blossen bestehen der schriftlichen Prüfung ist die mündliche nicht zu schaffen, da hier der praktische Einsatz auch von den Prüfern abgefragt wurde. Ich empfand die Prüfungssituation, je nach Prüfer von feindlich bis extrem entspannt. Die Durchfallquote lag im Schnitt der Statistik.

Dank an meine Ausbilder. Es hat mehr als geholfen und ich fühlte mich sehr gut vorbereitet.

Die Jägerprüfung – Teil 1

Montag 10. Juli 2017

8:30h:  Es soweit. Der Tag der schriftlichen Prüfung. Heute stehen noch an: Waffenhandhabung und Schießen.

Wir treffen uns vor dem Hauptgebäude des Schießstandes, erhalten von den Prüfern eine Einweisung in den Ablauf und dann geht es auch schon los. Die Fragen gehen schnell von der Hand, einige geben schon nach 30 Minuten ab, ich lasse mir Zeit, kontrolliere die Übetragung der Antworten auf das Ergebnisblatt sorgfältig, Es ist genug Zeit. Ich bin nach einer Stunde fertig, gebe ab und verlasse den Raum.

Draussen warten schon die schnelleren Mitstreiter. Die Diskussion dreht sich um die Fragen, langam werden wir immer mehr. Ein Wiederholungprüfling bekommt das Prüfungszeugnis ausgehändigt und zieht glücklich von dannen, hoffentlich geht es uns am Freitag genau so. Nachdem der letzte fertig ist kommt es zur Ergebnispräsentation. Einige werden ermahnt sich bis Freitag noch einzelne Fächer anzusheen, da sie diese in der schriftlichen nur sehr knapp bestanden hätten.

Zwei unserer Mitstreiter fallen im Fach 1 durch und müssen wiederholen. Ich bin froh, dass ich mir morgens noch einmal ein paar nicht gewusste Fragen in der App angesehen hatte. Zwei davon kamen dran.

Die nächste Prüfung ist Waffenhandhabung. Es gibt 3 parallele Stationen. Auf meinem Tisch liegt eine 1911 Pistole diese kenne ich nicht, aber da mir die Prüfer die Wahl der Waffe überlassen nehme ich den Revolver. Der 98er hat einen französischen Stecher. Nur die R8 ist so wie von den Übungswaffen gewohnt. Die Prüfer sind locker und improvisieren („…ich habe hier eine Hand voller virtueller Patronen. Munitionieren Sie auf.“) Mir macht es Spaß und nach kurzen 10 Minuten bin ich durch und kann zum Schießen.

An der 100m Bahn staut es sich etwas. Ich schaffe mit der R8 mein bisher bestes Ergenbis (50 Ringe davon 3 Schuss Loch an Loch, Streukreis knapp 10cm im Durchmesser). Keine Ahnung wie das hinbekommen habe, aber ich mag den Abzug der R8 einfach.

Für den laufenden Keiler muss ich etwas warten bis die R8 auf den 100m frei ist. Ich will den dämlichen Keiler einfach weghaben, die Motivation der 100m mitnehmen. Endlich komme ich zum Keiler. 2 Schuss (9 und 8) und ich bin durch. Zum Glück habe ich mir den ersten Schuß zeigen lassen. Ich hätte schwören können, dass ich mit diesem viel zu hoch war. So muss ich nicht korrigieren. Der von einem anderen Prüfling eingeschaltete Leuchtpunkt war aus meiner Sicht auch sehr hilfreich. Ich würde das auf jeden Fall noch einmal ausprobieren.

Nach dem Keiler begebe ich mich mit dem Wissen um das Bestehen meiner „Angstdisziplin“ zum Kipphasen. Eigentlich sollte es hier ein Spaziergang werden. Vor mir fällt ein Wiederholer erneut durch. 20 Schuss und 0 Treffer. Ich werde mich davon nicht beeinflussen lassen. Als ich an der Reihe bin, freue ich mich auf vor mir liegende Aufgabe. Erster Schuss. Fahrkarte. OK, nicht bervös machen lassen. Anschlag überprüfen. Nächster Hase. Fahrkarte. Ich fange an nervös zu werden. Gerade dort wo ich dachte ich wäre sicher fange ich an Mist zu machen. OK. „Ich will diesen dämlichen Dreckshasen“, denke ich mir als ich den Hasen abrufe. Schuss und drei der vier Segmente fallen. Geht doch. Die folgenden vier Schüsse fällt jeweils mindestens ein Segment. Bestanden. Boah, das hätte ich mir einfacher machen können.

Sehr zufrieden diskutiere ich mit den andere die Ergebnisse des ersten Tages. Wir hatten zwei Durchfaller, Schade aber die Statistik muss schliesslich auch bedient werden.

Ich fahre gegen 16 Uhr glücklich nach Hause. Jetzt volle Konzentration auf den mündlichen Teil.

Block 4 – Lernen für die Jägerprüfung

Es ist soweit die letzten zwei Tag Vorbereitung stehen an.

Prolog

Vergangenen Montag war der vorletzte Schießtermin. Wir übten wieder zusätzlich auf den 100m Bock. Die Fünfergruppen lagen verlässlich im Ziel meist 3 Neuner und 2 Zehner. Ich probierte die Sauer 101 für den laufenden Keiler, merkte aber, dass ich damit nicht so gut klar komme wie mit der R8. Dadurch, dass ich am Montag meine Brille auf dem laufenden Keiler-Stand vergessen hatte, konnte ich am Mittwoch noch einen zusätzlichen freiwilligen Termin wahrnehmen und das Notwendige (Brille holen) mit dem Nützlichen (zusätzliche Stunden) kombinieren. Und ich habe das erste Mal mit der R8 auf die 100m geschossen. Das hätte ich mal früher machen sollen. Die Gruppen liegen beide sehr eng beieinander, jedesmal 50 Ringe. Ich bin überrascht wie sehr mir der Abzug der R8 liegt. Ich habe das Gefühl den Abzug vollkommen zu kontrollieren, der Schuss fällt ohne ein Verreißen durch Erzwingen gegen den Abzuswiderstand. So einen Abzug will ich auch bei meiner eigenen Jagdwaffe. Ich werde das überdenken müssen. Die Vergösserung habe ich auf 8-fach, für mich bei 100m ein sehr guter Kompromiss zwischen Wackeln und Detailerkennung.

1. Tag – Freitag Abend

Es geht los mit einerm weiteren Schießstandbesuch. 100m mit der R8 zweimal 50 Ringe die ersten zwei Mal laufender Keiler sind OK. Verlässlich 3 Mal im Ziel, die anderen beiden können, müssen aber nicht. Das ist jetzt nicht die 100%-Variante aber für die Prüfung sollte es reichen. (Wobei wir als Ziel nur 10-8 nehmen, für die Prüfung wäre auch eine 5 OK. Ist also noch etwas Puffer eingebaut). Kipphase läuft wie gewohnt 9,5/10. Die Prüfung am Montag kann kommen. Ein letztes Mal gehen wir durch alle Waffen in der Handhabung durch. Sollte auch klappen.

 

2. Tag – Samstag Wiederholung

Wir treffen uns um 10 Uhr am Dorfladen in Gersbach, trinken Kaffee und rekapitulieren die Schießergebnisse. Die ersten Vögel am Himmel werden bestimmt, der anschließende Reviergang vertieft botanische Kenntnisse. Die UVV wird an den Reviereinrichtungen besprochen und Jagdzeiten vertieft. An der Jagdhütte wiederholen wir das JWMG, bestimmen an Hand von Schädeln das Alter von Gemsen und Rehen und sprechen über Waffen und Munition. Wir vertiefen das Wissen über Fallen und botanisieren eine weitere Runde. Gegen 16 Uhr mache ich mich auf den Rückweg in die Unterkunft.

 

3. Tag – Sonntag Wiederholung

Treffen um 10 Uhr an der Hütte, JWMG, Tierarten, Landbau, Naturschutz, Waffenkunde, nach der vorerst letzten Runde der leckeren Rehwürstchen besuchen wir die Wildkammer, besprechen deren Einrichtung, die Anforderung an Hygiene und Wildbretvermarktung. Wiederholen Trichinenprobenahme und Wildkrankheiten. Zum Abschluss besuchen wir einen Wildtierpark und üben uns in der Altersbestimmung von Rot-, Dam-, und Schwarzwild. Der Kurs ist jetzt endgültig vorbei. Bei mir kommt ein wenig Wehmut auf, die Aussicht auf die Prüfung am nächsten Tag lässt dieses Gefühl schnell einer gespannten Vorfreude weichen. Am Abend lerne ich noch ein wenig mit der Prüfungsapp. Bei der letzten Probe-Prüfung habe ich im Fach 1 nur 13 von 25 richtig. Es wäre zwar bestanden aber sehr knapp. Ich beschliesse eine Stunde früher aufzustehen und Fach1 noch ein wenig zu üben (eine sehr gute Idee wie sich später heraustellen sollte)

Fazit: Auch die Prüfungsvorbereitung bleibt dem Konzept treu. Learning by doing, draußen in der Natur. Dinge begreifen statt in einem Kursraum büffeln. Vor allem die Stadien der Gehörnentwicklung können so sehr gut gelernt werden. Ich bin am Ende des Kurses und vor der Prüfung vorsichtig optimistisch.

Block 3 – Lernen auf die Jägerprüfung

Diese Woche ist es wieder soweit. Von Freitag Abend bis die darauf folgende Woche Sonntag Abend weitere 10 Tage Unterricht für die Jägerprüfung.

Tag 1 Schießkino Freitag 2. Juni Abends

Wir treffe uns im Schießkino und üben in zwei Gruppen. Ich mag Schießkinos. Auch wenn die Aufsicht heute ein paar sehr gemeine Filme dabei hat in welchen die sehr schnellen  Tiere nur in einem kurzen Fenster geschossen werden können.

Tag 2 Schießen, Zerwirken und Schulung zur Kundigen Person Samstag 3. Juni

Das Schießen lief heute Morgen sehr gut. Auf den Rehbock wird jetzt verzichtet. Kipphasen bleiben bei 9.5/10 der laufende Keiler pegelt sich bei 3/5 ein. Hier muss ich noch etwas besser werden. Merke, dass ich beim Mitschwingen ab der Hälfte anfange eher einen Sinuskurvenverlauf zu beschreiben. Keine Ahnung ob mir die Waffe zu schwer wird? Auf jeden Fall heisst das für mich: früher fliegen lassen. Zumindest kann ich bei den nicht sauber getroffenen genau sagen wo sie liegen. Immerhin. Nach einer Stärkung mit Erdbeerkuchen geht es in die schon vom letzten Mal bekannte Wildkammer. Hier begleiten wir einen Metzger beim aus der Decke schlagen und Zerwirken eines Rehbocks. Danach findet die Schulung zur kundigen Person statt, welche in BW eine zwingende Veraussetzung für die Teilnahme an der Jägerprüfung ist. Bei den 32 Grad die draußen anliegen stellt sich mir die Frage, wie das traditionelle Strecke legen und Wildbrethygiene sich miteinander vertragen (gut bei den Drückjagenden ist es meist kälter, da im Herbst), aber trotzdem. Die Schulung ist ein sehr guter Einstieg in die nächsten zwei Schulungstage welche die Überschrift “ Wildkrankheiten“ haben werden.

Tag 3 Wildkrankheiten Pfingstsonntag 4. Juni

Wir sind heute im Revier von Ralph am Dachsberg im Südscharzwald und lernen bei einem langen Reviergang die malerischen Ecken der Gegend kennen. Obwohl heute Wildkrankheiten als Hauptthema im Lernplan steht läuft es wie in jeder der bisherigen Lerneinheiten: alle Themen zur Jagd werden in einer zwanglosen Diskussion und bei der Wiedergabe von Geschichten wiederholt: Schonzeiten, Waffen, Baumarten, Hunde, Wildschaden, Jagdrecht, Jagdzeiten, Haarwild, Federwild. Der Fokus aber mit mehr als 60% auf Wildkrankheiten. Vor allem die praktischen Tipps zum Erkennen von bedenklichen Merkmalen vor dem Schuss und die möglichen Ursachen sind für uns Neulinge natürlich Gold wert. Bei der Mittagspause (wir sitzen, essen und die Fachgespräche gehen weiter) bekommen wir Besuch von einer Berner Sennenhündin mit zwei kleinen Welpen. Die Kleinen werden gerade entwöhnt und tollen um uns herum. Eine menschliche Führungsperson ist nicht zu erkennen, wahrscheinlich stammt sie von einem der umliegenden Bauernhöfe. Der Nachmittag führt uns weiter durch das Revier, wir lernen die Reviereinrichtungen kennen, diskutieren ob diese an den richtigen Stellen stehen, überlegen wie wir Schüsse anbringen würden, was sicherer Kugelfang in der Revierrealität bedeutet und an welchen Stellen wir welche Biotoptypen sehen. Der Tag neigt sich gegen 18 Uhr dem Ende. Es waren heute knapp 10 Stunden in freier Sonne bei 30 Grad. Ein langer Tag.

Tag 4 Wildkrankheiten Pfingstmontag 5. Juni

Während der Rest der Welt noch zu schlafen scheint erklimme  ich von Waldshut aus die Hochlagen des Schwarzwaldes. Ein weiterer Tag im Revier Dachsberg. Nur diesmal ist die Sonne weg, es regnet, die Temperatur liegt bei 9 Grad. Wir nehmen heute den Waldbereich des Reviers unter die Füße, wiederholen die Wildkrankheiten, begutachten Fegeschäden, Wiederholen die Baumarten, sehen Einstände von Rehen und erkennen im niedergdrückten Gras die nächtlichen Ruhelager. Wir diskutieren und streifen durch das Gebiet. Erlebnisse eines Jägerlebens mischen sich mit Tipps für die Prüfung. Das für und wieder der Jagdhunderassen wird disktiert und ein frisch planierter Rückeweg zusammen mit dem Dauerregen sorgt dafür das wir unsere Schlammtauglichkeit prüfen können. Der Tag ist viel zu schnell rum und wir sind uns einig: „Ralph ist ne coole Sau“.

Tag 5 Naturschutz und Rotwildbeobachtung  Dienstag 6. Juni

Heute mal wieder ein Termin auf dem Feldberg. Diesen kennen wir schon vom ersten Block. Wir erfahren das Naturschutzrecht im allgemeinen und die Anwendung am Feldberg im speziellen. Am Nachmittag  unternehmen wir eine Wanderung im Gebiet (es geht zunächst steil bergab und danach steil bergan). Das Wetter hat Feldbergtemperatur bei 6 Grad und leichtem Regen, macht aber nichts, da es mir zumindest ziemlich warm wird. Wir sehen Gemsen auf 400 Meter und bestimmen Bäume und Kräuter.

Am Abend treffen wir uns im Rotwildrevier und wandern zu einer Beobachtungshütte. Wir sehen auf knapp 300 Meter Rotwild. Das Highlight ist ein Rehbock, welche durch günstigen Wind und unser ruhiges Verhalten in knapp 20 Metern die Hütte passiert. Ein wunderschönes Erlebnis am späten Abend in den letzten Sonnenstrahlen. Glücklich und vollkommen fertig vom Sauerstoffflash fahre ich die Stunde zurück in die Unterkunft. Perfekter Tag.

Tag 6 JWMG und Ansitz Mittwoch 7. Juni

Heute sind wir den ganzen Tag in Gersbach an der Hütte und lauschen Herrn Rieger, seines Zeichens Forstamtschef a.D. zum Thema Jagd- und Wildtiermanagementgesetz. Nachdem die Hütte gut eingeheizt ist tauchen wir ein in einen unglaublichen Erfahrugsschatz, die forstliche Sicht auf Jagd und das JWMG, welches BW von den restlichen Bundesländern unterscheidet. Ich bin froh, dass ich in einem Bundesland, in welchem die Jagd modern legislativ verankert ist meine Prüfung machen darf. Das JWMG macht für mich Sinn und ermöglicht es dem Land schnell auf sich ändernde Gegebenheiten zu reagieren. Aus dem BJG wurden nur die Strafen und der Naturschutzteil übernommen (muss ich noch mal abklären).

Am späten Nachmittag kommt Gerhard mit frischen Rehwürstchen vorbei und wirft den Grill an während wir noch eine Stunde Herrn Rieger lauschen. Nach dem Grillen gibt es praktische Arbeit zu verrichten. Rehbocktrophäen vorbereiten. Dazu entfernen wir von den frisch aufgetauten Häuptern zunächst die Decke und dann den Rest, bis nur noch der blanke Knochen vor uns liegt. Eine Arbeit die ein sehr scharfes Messer benötigt (ich werde meine alle nachschleifen müssen).

Gegen 19h geht es auf den Ansitz. Beim Anstellen an meiner Kanzel bekomme ich eine Säge und die Order das Sichtfeld freizuschneiden. Es erfolgt eine Druchforstung der jungen Buchentriebe am Wegrand. So kann ich dann von der Kanzel auch den Fuchs sehen, der ohne die Abholzung von mir unentdeckt seiner Wege geschnürt wäre. Ich höre entfernte Schüsse, aber diesmal hat niemand von unseren Trainern geschossen. Waidmannsheil dem Reviernachbarn.

Gegen 23h geht es nach Hause und ich bekomme noch eine Rehgeiss in Anblick. Auf der Strasse, nach einer Kurve. Zum Glück bin ich so langsam, dass ich die Begegnung durch eine Vollbremsung vermeiden kann. Es hat also Rehe.

Tag 7 JWMG und Schießen Donnerstag 8. Juni

Ein weiterer Tag mit Herrn Rieger und dieser stiftet heute Morgen Kaffee und Butterbrezen. Perfekt. Die Hütte wird wieder ordentlich eingeheizt und sehr schnell ist die Zeit vorbeit. Heute ist Abends noch Schießen. Wir kommen schneller durch als erwartet und nutzen die Zeit bis zum Beginn des Schiessens für einen Ausflug ans Schießkino zum Waffen befummeln. Es sind ein paar sehr gute Angebote bei den gebrauchten Waffen dabei. Der einzige 98er ist in 30-06. Wäre es 8x57IS gewesen hätte ich zugeschlagen (abholen dürfte ich die Waffe dann erst mit gelöstem Jagdschein).

Das Schiessen an sich läuft gut. Kipphase ist wie immer, der Keiler wird eher schlechter als besser. Muss mich da ein wenig anstrengen. Die Tipps von Volkert sind Gold wert. Die freie Zeit nutze ich zum Training der Waffenhandhabung. So ein Drilling ist echt eine technische Meisterleistung. Gegen 21h geht es in die Unterkunft.

Tag 8 Hochsitzbau und Ansitz Freitag 9. Juni

Heute Treffen wir uns Morgens in Bernau und bauen beim dortigen Förster einen Scherensitz, einen Drückjagdsitz und stellen diese im Revier auf. Man merkt, dass Thomas Erfahrung im Umgang mit Bau von Einrichtungen im Wald hat. Er handiert in einer traumwandlerischen Sicherheit mit Hammer und dem Fichtenmopped. Zur Mittagszeit steht ein knapp 5 Meter hoher Scherensitz. Wolfgang der Revierförster, der in seinem 950ha Revier im Jahr knapp 80-90 Rehe schießt und ebenso viele Scheren, Böcke und Kanzeln aufgestellt hat, läd uns zu Steaks und Würstchen ein. Nachmittags nehme ich meine Statistenrolle beim Bauen wieder ein. Gegen 18 Uhr treffen wir uns mit den Jagdgästen von Wolfgang zu einer Ansitzjagd. Wir werden auf die vielzähligen Ansitzeinrichtigen verteilt. Gerhard und ich teilen uns einen Platz auf einer knapp 8 Meter hohen Kanzel. Leider ohne Anblick. Die zwei Schüsse die wir hören erlegten einen Rehbock. Gegen 23h mache ich mich auf den Heimweg um dann um 24h wie tot ins Bett zu fallen.

Tag 9 Schießen, Waffenkunde und Ansitz Samstag 10. Juni

Ohne Frühstück, dafür mit der Aussicht auf ein leckeres Schnitzel am Schießstand, mache ich mich auf den Weg. Kipphase alles OK, laufender Keiler wird schlimmer als besser. Ich erkenne jetzt alle Fehler, dennoch sehe ich mit Sorge in die Zukunft. Nur noch zwei Termine zum Schießen. Wird eng.

Gestern Nacht noch hatte ich mich zur Prüfung angemeldet und die 320 EUR Prüfungsgebühr überwiesen. Jetzt ist es also fix. Angemeldet mit knapp 180 Stunden praktischer Ausbildung und knapp 35 Stunden Schiessausbildung mit ca. 350 Schrotschüssen und ca.  600 Büchsenschüssen (Schießkino eingerechnet).

Heute gebe ich mir das volle Programm Waffenhandhabung. Nach dem Schießen geht es auf dem Schießplatzgelände weiter mit ein wenig Botanik und dann volles Programm Waffenkunde mit Schwerpunkt Optik. Die Handhabung wird noch einmal kurz wiederholt und wir bereiten uns um 18h auf den Ansitz vor.

Ich bin auf einer malerischen Salzlecke am Fuss eines kleinen Hügels angestellt. Die Sonne scheint von hinten auf die Salzlecke, der Wind steht perfekt. Leider nicht für die Rehe. Mein einziger Anblick sind hunderte von Mäusen die in der Dämmerung anfangen ihrer Baue zu sanieren. Überall raschelt und quiekt es. Um 22 Uhr baume ich ab und begebe mich zum Waldweg. Dort kann ich eine Waldohreule beim Jagen über mir im Licht meiner Taschenlampe beobachten. Sehr schöner Ausklang eines anstrengenden Tages. Die Unterkunft erreiche ich gegen 24h.

Tag 10 Waffenkunde und Waffenrecht Sonntag 11. Juni

AUSSCHLAFEN! Heute geht es erst um 12h los. Perfekt um bis 8h zu schlafen und dann die Klamotten zusammenzusuchen und aus dem Zimmer auszuchecken. Noch kurze Grüsse an die Vermieter hinterlassen und dann in Schopfheim Frühstück in einem Kaffee. Die Sonne lacht, es hat gegen 11h bereits 30 Grad und die niedrigen Temperaturen in den Hochlagen der Hütte sind mehr als willkommen.  Der heutige Tag beginnt auf unseren Wunsch noch einmal mit Waffenhandhabung und müdet in Waffenrecht und praktischer Waffenpflege. Mit Pufferpatrone wird das aufbaumen auf eine Kanzel mit Gewehr geübt. Gar nicht so einfach mit der Waffe auf dem Rücken. Vor allem mit dem Gewehr ohne Lärm in der Kanzel zu hantieren. Ich verlasse die Gruppe gegen 18 Uhr und mache mich auf den Heimweg.

Es waren 9 unglaublich intensive Tage und beim Schreiben ist mir mal wieder aufgefallen was wir alles in der Ausbildung machen. So viele unterschiedliche Dinge, aber meist draussen im Revier, in der Praxis mit Praktikern. Ich bin froh, dass ich mich für dieses Kursformat entschieden habe, auch wenn es schlaucht.

Der zweite Block ist vorbei – Lernen für die Jägerprüfung

Was für eine Zeit. Es ist Sonntag Nacht und ich bin vollkommen im Eimer. Es waren 4 Tage nahezu Vollzeit von Mittwoch Abend bis Sonntag Abend über das Himmelfahrtswochenende.

Tag 1 Schiessen im Schiesskino Mittwoch Abend 24. Mai

Heute waren wir mit insgesamt 10 Schülern im Schiesskino. Es lief wie immer im Schiesskino. Viel Spass und am Ende gab es den Schiessnachweis für 2017. Wir mussten in Gruppen zu 6 schiessen, so dass sich in den Pause Zeit zum Waffen befummeln ergab. Die Sauer 404 finde ich nach wie vor sehr genial, allerdings liegt sie preislich in den höchsten Gefilden. Und meine persönliche Vorliebe für das Mauser 98 System rückt Waffen mit diesem genialen und sicheren System in den Fokus, zumal die Kosten für eine entsprechende Waffe bei knapp 800 EUR  beginnen. Am Abend erledigt und zufrieden in die Unterkunft (airbnb probiert) eingecheckt. Sehr nette Vermieter und sehr sehr ruhige Unterkunft.

Tag 2 Im Revier und Waffenhandhabung Donnerstag 25. Mai

Heute ging es um 12 Uhr in Gersbach los. Brauchte etwas Hilfe bei der Anfahrt, da die Navi die Koordinaten nicht so ganz sauber verarbeitet hatte. Zum Glück für uns hat uns unser Trainer Volkert unterwegs eingesammelt. Tags über lernen wir Patronen, Waffen und die einschlägigen Gesetze kennen. Begreifen alle Waffen und Patronen (auch die „Försterpatrone“) Abends geht es dann auf den Hochsitz. Gerhard und ich teilen uns eine Kanzel. Leider haben wir keinen Anblick (ich muss mir noch eine Jacke mit weniger Rascheln kaufen). Unser Volkert hat zuammen mit seinem Schüler Franco mehr Glück. Wir hören gegen 21 Uhr einen nahen Schuss und kurz drauf informiert eine SMS über den jadglichen Erfolg. Heute Abend wird noch ein Bock aufgebrochen werden müssen. Endlich die „rote Arbeit“ live und im Licht der Kopflampen. Franco bricht den Bock auf und extrahiert die einzelnen Organe. Wir sehen und lernen, halten die Organe in der Hand und stellen Fragen. Ich lerne, dass ich in Zukunft immer Einweghandschuhe im Auto haben werde.

Tag 3 Waldbau und Schiessen Freitag 26. Mai

Heute geht es früh los in den Wald. Wir lernen vom Förster Sven die Baumschutzmassnahmen kennen, pflanzen selbst Douglasien ein und erlernen die Altersklassen am Objekt. Wir begreifen die einzelnen Baum- und Pflanzenarten. Sven übt mit uns die umwelpädagogischen Spiele die er sonst mit Schulklassen macht. Es funktioniert, Die Eindrücke bleiben hängen. Viel zu schnell ist es 16 Uhr und wir fahren zum Schiessplatz. Kipphase läuft gut, Rehbock läuft gut und selbst der laufende Keiler ist OK Die Prüfung wäre bestanden. Gut so, somit bleibt Zeit für die Pflanzenarten am Schiessplatz. Unser Förster kommt mit und erklärt die Bäume Sträucher und Gräser am lebenden Objekt während die Schüsse der einzelnen Stände die Hintergrundmusik geben. Gegen 21h fahre ich in die Unterkunft. Ich bin alle.

Tag 4 Schiessen und Landbau Samstag 27. Mai

Heute geht es gleich um 9 mit Schiessen weiter (der Schiessstand hat die samstäglichen Öffnungszeiten angepasst deshalb ist jetzt Samstags immer morgens Schiessen). Es ist erstaunlich was eine Nacht tiefer Schlaf ausmachen. Es läuft, ganz bescheiden, sehr gut. Ich bin sehr zufrieden. Kipphase liegt im Schnitt bei 9,5/10 (einen lasse ich machnmal über), Rehbock bei 5/5 in der 10 oder 9, und der laufende Keiler mit 3 von 5 in der Zielfläche ist aus meiner Sicht und meiner Ausgangsposition sehr gut. Den Rest der Zeit bis Mittag übe ich mit den anderen Schülern Waffenhandhabung am Drilling, am 98er und an den Kurzwaffen. Samstag hat die Gastronomie der Schiessanlage auf und es gibt hervorragende Schnitzel zu Mittag, die perfekte Stärkung für den nachmitäglichen Wanderausflug bei 32 Grad. Heute nimmt uns Sven mit in sein Jagdrevier. Wir begehen ein Revier aus ein wenig Wald und grösstenteils Feldfläche. Lernen Feldbau kennen. Sehen frisch gedrillte Maisfelder und Sonderkulturen. Lernen über Landwirtschaftliche Maschinen und Wildschadensausgleich. Zum Schluss gibt es noch eine Führung in einer sehr modernen Wildkammer. Es ist gegen 22 Uhr als ich vollkommen fertig ins Bett falle.

Tag 5 Waffensachkunde und Waffenhandhabung Sonntag 28. Mai

Ausschlafen! Es geht erst um 12 Uhr los. Wieder ins Gersbach an der Jagdhütte. Ich erfreue mich eines langen Fürhstückbüffets in einer Bäckerei und mache mich in aller Ruhe auf den Weg. Waffenhandhandhabung und Waffengesetz stehen auf Plan. Die Zeit vergeht wieder viel zu schnell. Die Waffen konnten alle mehrmals geübt werden. Den heutigen Abendansitz schenke ich mir und fahre gegen 20 Uhr die 150km nach Hause. Eigentlich brauche ich jetzt ne Woche Urlaub.

Fazit

Wie beim letzten Block bin ich der Meinung, dass die Vermittlung der Inhalte und die Möglichkeit durch die verschiedenen Jäger und Ausbilder auch verschiedene Sichtweise auf die Jagd zu erhalten, das Wesentliche an diesem Kursformat ist. Praxisnah Dinge begreifen und selbst tun, Fragen egal mit welchem Inhalt einfach stellen (bei 5 Kursteilnehmern kein Problem) und immer eine ausgewogene Antwort erhalten. Es ist zwar anstrengend, aber es macht sehr viel Spass.

Lernen und Ausrüstung

Meine youtube-Liste hat sich jetzt vollends auf das Thema Jagd konzentriert. Ich schaue mir Tests von Gewehren und Ausrüstung, oder Jagdvideos an.

Die Materialien des Heintges sind alle einmal gelesen. Haarwild, Federwild, Waffenhandhabung, Waffenrecht und Jagdhunde sind durch eigene Mitschriften angelernt und werden mindestens ein Mal die Woche wiederholt.

Ich habe ein sehr gutes Buch oder besser eine Broschüre gefunden welche die relevanten Infos zu Haar- und Federwild auf knapp 40 Seiten in Tabellen zusammenfasst. Praktisch ein Factbook. Das ist meine Lektüre für zwischendruch und den Flieger.

Bei den Zeitschriften bleibe ich meist bei den „Wilden Hunde“n hängen. Nach wie vor einfach ein Jagdporno mit viel Bildern und wenig Text. Sehr gut für Zwischendurch. Sonst gefällt mir die Zeitschrift „Der Jäger“ ganz gut. Artikel sind aus allen Lagern, auch wenn ich manchmal schon etwas schlucken muss, da die Argumentationen der einzelnen Autoren sehr, hmmm, wie sage ich es passend, an das Wahlprogramm von manchen Parteien erinnert. Hauptsache es hilft der eigenen Position. Aber ich bin ja ein erwachsener Mensch und muss nicht mehr jedem mit einer einfachen  Meinung hinterher laufen.

Die Ansprechkarten für Schalenwild von Heintges sind ganz nett und sorgen immer mal wieder für ein Aha-Erlebnis. Und manchmal die Frage wo auf dem Foto die Merkmale auf der Rückseite zu sehen sein sollen, aber da fehlt mir halt einfach die Erfahrung und vielleicht auch der nötige gute Wille.

Meine Gewehrauswahl gestaltet sich in Wellenbewegungen. Von CZ557 Range über Heym SR21 bis hin zu Ruger American ist alles dabei. Von daher steht die Richtung noch nicht fest.

Beim Zielfernrohr habe ich mich auf das Steiner Ranger für knapp 1000 EUR festegelegt. Ich konnt bei Frankonia den Vergleich zu weit teuereren Optiken machen. Klar ist das Steiner etwas schlechter, aber dafür auch erheblich günstiger. Vom Preis-Leistungsverhältnis top. Und als alter Bayreuther freut mich der Umsatz in der Region, selbst wenn die Optik dann in den USA zusammengeschraubt wird.

Habe mein Messerlager aufgerüstet. Das geniale Hultafors Brechmesser für 8 EUR wohnt jetzt in so ziemlich jeder Schublade im Haus und im Auto. Viel Messer für das Geld. Für den Gürtel gab es das Hultafors OK4, ein Outddormesser auf der Basis des Brechmessers aber mit rutschfestem Griff mit 25 EUR auch sehr viel Messer für den EUR. Für die Dickung habe ich mir eine Condor Machete zugelegt und fürs Abfangen werde ich in einem verschlossen Behältnis im Auto ein Linder FK2000 mitführen (die Klinge ist knapp 20cm lang).

Beim nächsten Praxisblock kann eine neue Engelbert Strauss motion 2020  Bundhose zeigen, ob sie den Preis von knapp 75 EUR wert war. Farblich ist sie in Braun und poppigen Neon-Grün gehalten. So spare ich mir die Warnausrüstung 🙂

Soweit zum aktuellen Stand.

Die Lerngruppe – ein Muss – Lernen auf die Jägerprüfung

Hatte gerade mein drittes Lerngruppenmeeting mit Franco. Franco ist Schweizer, wohnt aber 3 Autostunden von mir weg, so dass die Lerngruppe am Telefon stattfindet.

Wir verabreden uns meist zu 20:30h und planen mit einer Stunde, wenn es geht an drei Abenden die Woche. Unsere berufliche Situation lässt es manchmal nicht zu, dass wir eine 100% Konstanz in unsrere Termine bekommen, aber so ist das Leben eben, manchmal nicht planbar und genau aus diesem Grund haben wir uns ja auch für den Blockkurs und nicht für den Ein-Jahreskurs entschieden.

Die Lerngruppe bringt mir persönlich eine Verpflichtung beim Lernen Müssen und andererseits durch die Wiederholung und die Erklärungen die nötige Vertiefung. Langsam entwickeln sich Fachgespräche und wir sind uns nur noch in den Details unsicher (z.B. betrifft die Gemsenblindheit meist nur ein oder beide Lichter).

Auch wenn die Zeit der Lerngruppe, gemessen an der Zeit in der praktischen und theoretischen Ausbildung, nur etwa ein Viertel einnehmen wird, so trägt sie in weit höherem Masse zum Wissen bei.

Lerngruppe? Topp!

 

Der dritte Schießtermin

Heute war der dritte Schiesstermin. Ich bin ein weing beruhigter. Am Anfang schoss ich 2×5 Schuss mit der .308  sitzend auf 100m. Volkert, der die Standleitung hatte nahm sich meiner Technik an, zeigte Bein- und Körperhaltung, korrigierte Fehler. Ging das mentale vor dem Schuss durch und brachte mein Mucken in ruhigeres Fahrwasser. Ich hatte pro Gruppe jeweils einen Ausreißer, der Rest saß aber im gewünschten Bereich, so dass mein Vertrauen wieder zurück ist. Den Rest der drei Stunden absolvierte ich 100 Schuss auf dem Trappstand. Ich glaube ich habe noch zwei Stunden danach wie ein Honigkuchenpferd gegrinst. Wurfscheiben machen einfach Spass.

Auch wenn es jedes Mal drei Stunden Fahrerei sind, so lohnen sich die Schießtermine für mich sehr. Ich werde noch mal schauen, ob ich nicht eine Stunde privat nur für mich buche um die Technik sicher zu haben.

Schießen – es wird besser

Die letzten Schießtermine liefen von Mal zu Mal besser. Allerdings war es ein Marsch durch ein Tal der Tränen. Aber der Reihe nach:

Die ersten Schüsse auf den Rehbock in 100m sitzend waren desatrös. Ich hatte es sogar geschafft 2 Schüsse links unten auf den Rand der Scheibe zu setzen. OK. Ich habe ein Problem. Also um Rat beim Trainer gefragt. Volkert ist Waffenfan und ein hervorragender Schießausbilder. Samstag morgens gibt es ein Training in Ruhe. Pufferpatronen wechseln mit echten (natürlich ohne dass ich gerade weiss was aktuell geladen ist), so kann ich mein Verziehen sehr gut erkennen und nach einer halben Stunde schiesse ich ganz passabel (3×10 2×8) und merke beim Schuss, ob ich verrissen habe oder nicht. Beim nächsten Mal wird es konstant besser. Ich schiesse bei der ersten Gruppe 3×10 und 2×9 bei der zweiten 4×10 und 1×9. Ich bin beruhigt und zufrieden. Kipphasen laufen mit im Schnitt 9/10 sehr gut und so konzentriere ich mich auf den laufenden Keiler.

Hier muss ich an meinem Mitschwingen arbeiten. Spätestens ab der Hälfte der Strecke fährt mein Arm in einer Sinuskurve weiter. Für das Trefferbild ist das natürlich ein Glüchsspiel. „Ich will dieses Schwein“ denke ich mir, Was beim Kipphasen sofort hilft, macht es beim Keiler ein wenig besser. 2x in der Zone, der Rest eher die Verteilung einer Schrotgarbe. Sind ja zum Glück noch ein paar Termine.

Lernen für die Jägerprüfung

Gerade im Moment ich mich was ich mir da eigentlich angetan habe. Die Bezeichnung „grünes Abitur“ für die Jägerprüfung fand ich zunächst lustig, da ich wusste wie lange ich für mein Abitur gelernt habe. Jetzt, nach dem ich den Aufwand etwas überblicke dürfte der Lernaufwand für die Jägerprüfung im Umfang tatsächlich dem Umfang meines zweijährigen Leistungskurses Biologie entsprechen.

Zum Glück sind die Themen so vielfältig wie es die Aspekte der Jagd sind. Wildtierkunde, Jagdbetrieb, Hundewesen, Land- und Forstwirtschaft,  Waffensachkunde, Schiessbetrieb, Kulturelle Aspekte, Tierkrankheiten, Kulturbau, Jägersprache usw.

Ein ganzer Strauß an Themen. Als Einstieg hatte ich mir das Standarwerk von Seibt duchgeblättert, dann gelesen und dann probiert zu lernen. Schnell stellte ich fest, dass damit zu viele Fragen offenblieben. Hier kommen die Heintges Lernhilfen ins Spiel. Diese widmen sich einem Thema gezielt mit einer für meinen Lerntyp hervorragenden didaktischen Methode. Ich habe diese bei meiner Jagdschule im Bundle zum Vorzugspreis erworben. Dafür bekommt man dann einen ansprechenden Karton welche knapp 8 Kilo wiegt. Wissen wiegt schwer. Ich lerne jetzt mit dem Seibt als Themenüberblick und als Vertiefung zum Thema die Heintges Lernhilfen. Dann mache ich die Prüfung auf meiner iPad-App und schreibe die Dinge die ich nicht wusste auf meinen Block und lokalisiere damit die Wissenslücken zum Nachlernen. Ich bin begeistert wie schnell mein Fortschritt bei der Waffensachkunde ist und besorgt wie schlecht ich mir merken kann wann welche Tierart in welchem Alter welches Geweih abwirft. Hoffe da aber auf Tipps von meinem Ausbilder.

Meine beiden Themen die ich gerade nicht mag sind eben Wildtierkunde und Hundewesen. Ich als Katzenmensch finde Hunde jetzt einfach nicht so spannend, obwohl sie zum Jagen in vielen Situationen unabdingbar oder mindestens sehr hilfreich  sind. Darüber hinaus geben Begeisterte für ein Thema natürlich immer Vollgas und nach Anlesen von Zeitschriften wie Jagd und Hund komme ich zum Schluss, dass alle Vorurteile die ich über Dackelzüchtervereine bis dato hatte scheinbar nur die Spitze des Eisbergs waren.

Meine Youtubehistorie hat sich vollkommen auf das Thema Jagd fokussiert und Kanäle wie Der Waldläufer oder Der eine Jäger geben viel Infos und bringen spannende Denkanstöße. Mein Favorit aber ist jagdundnatur.tv mit vielen sehr spannenden Beiträgen zum Wildtiermanagement. Hier glaube ich sieht man gut wo die Reise hingehen wird und wie sich die Arbeit des Jägers verändern wird.
Beim Auto schaue ich mir gerade Pickups an und so langsam schleichen sich die ersten Jagdsprache Wörter in den Wortschatz.

Lernen insgesamt geht dank der mittlerweile sehr vielen Medien gut. Smartphone und Tablet kombiniert mit Buch, Heft und eigenen Mitschriften. So kann ich im Flieger meist knapp 150 Fragen üben (ja nach Flugstrecke). Ich frage mich nur wie ich in 100 Minuten 120 Fragen beantworten soll. Auf jeden Fall sehr sportlich, da sind andere Bundesländer sehr viel weniger fordernd.

Aber hey wir lernen ja nicht für die Prüfung sondern fürs Leben.

Erster Termin – Schießen

Heute war es soweit. Ich habe meinen Jagdtrainer und 3/4 der Kursteilnehmer kennengelernt. Und ich war sehr erleichtert. Der Trainer war ganz und gar nicht so unentspannt wie manche Ausbilder die ich in Youtube-Videos gesehen hatte. Meine Mitkursteilnehmer sind keine abgehobenen und arroganten sozial inkompetenten Schnösel welche die Jagd zur Netzwerkerweiterung nutzen möchten.
Also lauter ganz normale und nette Menschen. Zum Glück.

Als ich gegen 16:15h auf dem Schießplatz ankam war das Tor noch versperrt, OK, die abgemachte Zeit war 17 Uhr (ja, ich weiss, immer zu früh).  Also noch schnell beim gegenüberliegenden McDonalds einen Kaffee organisert und den wunderbaren Sonnenschein genossen. Um 16:30 wurde da Tor aufgeschlossen und die ersten weiteren Autos trafen ein. Also schnell ins eigene Auto gestiegen und hinterher. Auf dem Parkplatz des Schießstandes standen schon zwei Menschen neben ihren Autos, nach dem ersten Blick auf die grüne Kleidungsfarbe zu urteilen, ebenfalls Kursteilnehmer. Im Gespräch stellte sich heraus, dass die beiden Teilnehmer des Jahreskurses waren. Diese machen am gleichen Tag wie wir die Prüfung, haben dafür aber fast ein Jahr Ausbildung, also mehr als 3 Mal soviel Zeit wie wir. Im Gespräch war das auch sofort festzustellen. Es klang nach Jägersprache und die berichteten Erlebnisse von Drückjagdteilnahmen unterstrichen den vermuteteten Erfahrungsschatz. Ich werde mich anstrengen müssen in der kurzen Zeit zumindest beim Wissen nachzuziehen. Die Erfahrung wird bei mir erst nach der Prüfung das Erlernte festigen können. Aber das wusste ich schon vorher und dessen war mir bei der Wahl der Ausbildungsform auch voll bewusst. (Siehe Die richtige Jagdausbildung finden).

Nach und nach trudeltden die weiteren Teilnehmer ein und dann ging es los.

Zunächst gab es eine Einweisung mit Rundgang auf dem Schießplatz. Wir lernten von Horst unserer Standaufsicht, dass wir uns auf dem grössten Schießstand in Deutschland befinden und als Trivia, dass der aktuelle Tatort welcher am 2. April 2017 gezeigt wird auch Szenen hier gedreht hat.

Wir lernten die Sicherheitsvorschriften und bekamen Wurfscheiben, Kipp-Hasen, 100m Schießbahnen, laufenden Keiler, den Bunker (dort wo die Waffen sicher verwahrt werden können zwischen zwei Schießterminen) und sehr wichtig, das Restaurant kennen. Hier war ich sehr angenehm über die fairen Preise und die Freundlichkeit der Mitarbeiter überrascht. Eine Stimmung die sich quer über die meisten Personen die sich aus professionellen Gründen auf dem Platz befanden zuzutreffen schien. Gelöst, aber in Sicherheitsdingen sehr konkret. Eine Stimmung wie ich sie schon von des Schießständen aus den USA, vom Segeln und vom Tauchen kenne. Keine Angst haben, aber nie den Respekt vor der Materie verlieren und leichtsinnig werden.

Mit den 3 anderen Teilnehmer „meines“ Kurses durften ich die erste Station absolvieren. Kipp-Hase (ich schreibe das so, damit die Leser meines Blogs die richtige Aussprache und die Bedeutung leichter erfassen, ich war am Anfang immer beim Lesen über die Kipp-Phase gestolpert und hatte mich gefragt was das wohl sein soll 🙂 )

Ziel bei Kipp-Hase ist es eine Gruppe von 4 metallenen, nach hinten klappenden Metallscheiben, welche zuammen  das Profil eines Hasen haben, in der Bewegung zu treffen. Der Hase wird von links oder rechts in knapp 30 Meter (den genauen Abstand habe ich in der Aufregung gleich wieder vergessen) Entfernung am Schützen vorbei gefahren. Die Waffe welche geschossen wird ist eine Flinte. Diese verschießt Schrotladungen. Auf knapp 30 Meter ist die Schrotkugelwolke knapp unter einen Meter im Gesamt-Durchmesser, wobei zum Umkippen schon ein paar Kügelchen das Metall treffen müssen. Wir hatten zwei brandneue Blaser F3 dabei eine davon in Linkshänderausführung für einen meiner Mitschüler.

Gerhard zeigte uns vor dem Stand die Waffe und deren Handhabung, erklärte Sicherheitsverhalten und wies auf häufige Fehler hin. Besonders gut gefiel mir, dass auch der jagdliche Einsatz, sowie die vernünftige und die erlaubte Schussentfernung diskutiert wurden. Es geht beim Jagen ja nicht um das Treffen sondern um das schnelle Töten und das können zwei vollkommen verschiedene Dinge sein. Vor allem die Hinweise darauf lieber auf den Schuss zu verzichten als „schussgeil“ es zu versuchen fand ich sehr richtig. Ich hatte auf Youtube selbstgedrehte Videos von „Jägern“ gesehen, welche auf Drückjagden unter extrem ungünstigen Winkeln und schwierigem Schussfeld hinter dem Wild her schossen. Ich möchte gar nicht wissen was die Nachsucher da als Ergebnis gefunden haben.

Nach der Erklärung des Standes und schon fast natürlicher Festlegung der Aufgaben (Schiessen, Munition auspacken und 10 Schuss für den Schützen griffgünstig in einem Holzblock darpieren, Aufsammeln der verschossenen und ausgestossenen Hülsen nach dem Schiessen, usw. ) kam ich an die Reihe. Es wird mit einer Bock-Doppel-Flinte aus dem unteren Lauf geschossen.  Jagdliche Erwartungshaltung mit dem Schaft auf Hüfthöhe, Anschlag und zielen, Hase los, Vorhalten auf das erste Segment, Schuss, Rückschlag, Enttäuschung. OK, das ging ne ganze Ecke drüber. Waffe abkippen, wundern wie weit die Hülse dank der Ejektoren rausfliegt, neue Patrone aufnehmen und in den unteren Lauf laden. Warten bis der Hase zurück läuft.  Nächster Hase, tiefer zielen, Schuss. Vorbei. OK, ruhiger werden, tief durchatmen. Laden. Anschlag. Schuss. Das erste Segment fällt. Juhu. Erleichterung. Langsam fallen die einzelnen Ablaufschritte leichter, das Brechen der Waffe (Mechanismus entriegeln und die Waffe mit Kraft abknicken), das Zielen. Die Anspannung vor dem Schuss weicht einer leichten Vorfreude auf den Schuss.
Ich lerne welche Schwierigkeiten unser Linkshänder mit von rechts kommenden Hasen haben muss. Als meine Hasen von links komme (ich bin Rechtshänder) muss mein Körper mehr drehen und das Treffen wird anspruchsvoller.
Auf dem Schusstagebuch für heute werden für den Kipp-Hasen 2 Mal 7 Treffer von 10 möglichen Vorbeifahrten stehen. Ein gutes Ergebnis für das erste Mal. Nicht übermütig werden. Ich kenne das vom Golfen und vom Bowling spielen. Es gibt gute Tage und es gibt die meisten Tage und an diesen normalen Tagen werde ich mich fragen, ob ich jemals zuvor eine Flinte in der Hand hatte. Aber ich bin beruhigt. Ich habe niemanden erschossen und mich nicht verletzt. Die aufgeregte Unsicherheit ist einer aufgeregten positiven Anspannung gewichen.

Mir hat gefallen wie Gerhard uns trainiert hat. Erst mal machen lassen uns unsere Erfahrung machen lassen, dann sehr sparsam Tipps geben und immer auf Fragen mit dem Ansatz des „Verstehen lehrens“ antworten. Ich habe nicht das Gefühl ein unwissender Schüler zu sein, sondern fühle mich voll im Erfahrungsmodus, verinnerliche, lerne beim Machen.

Die nächste Station ist 100m sitzend auf die Rehbockscheibe. Hier wird mit einer Sauer 101 Büchse im Kaliber .308 Winchester geschossen. Ein Unterschied zu einigen Jagdkursanbietern die mit einem kleineren Kaliber (z.B. .223 Remington) schiessen um den Teilnehmern einen kleineren Rückstoss und sich selbst als Nebeneffekt geringere Kosten pro Teilnehmer (.223 Rem. Patronen kosten ungefähr die Hälfte von .308) zu verschaffen.
Ich finde es vernünftig und sinnvoll in einem Kaliber zu schiessen in welchem später wahrscheinlich meine erste eigene Büchse kaufen werden Kaliber . 223 Rem. ist in Deutschland wegen einer Auftreffenergie von meist unter 2kJ in 100 Meter Schussentfernung (E100) nicht für Hoch- und Schwarzwild erlaubt). Kaliber .308 Win. schaffte i.d.R. Eine E100 von mind. 2,5kJ und ist in Deutschland mittlerweile ein beliebtes Allroundkaliber.

Die Einweisung in den Schießstand und in die Waffe laufen wie gehabt professionell und unaufgeregt. Meine ersten 5 Schuss mit der Büchse sind an der Reihe. Ich nehme meine 5 Patronen und drappiere sie in einem Patronenhalter. Aufnahme das Gewehrs, Patrone in die Kammer einlegen, Verschluss schliessen, in Anschlag gehen, Blick durch das Zeiss-Zielfernrohr. Hoppla der Bock ist doch ziemlich klein und die Mitte des Fadenkreuzes zittert sich so über die Fläche. Ok, zur Ruhe kommen, Ausatmen, erneut in den Anschlag gehen, zielen und fliegen lassen (Abdrücken in Jägersprache). OK, das ist ein Rückstoss, nicht zu Vergleichen mit der Flinte mit der zahmen Übungsmunition. Durch das Zielfernrohr blicken wo der Anschuss war. Keine Ahnug, nicht zu erkennen. Also Verschluss öffnen, Hülse wird ausgeworfen, nächste Patrone einlegen, mental auf den Schuss vorbereiten und fliegen lassen. Trefferlage wieder nicht zu erkennen, aber bei dem schwindenden Licht und dem mittlerweile nur noch aus Aufklebern bestehenden Zielbereich auf der Scheibe wahrscheinlich nicht verwunderlich. Als nach dem letzten Schuss die Scheibe vor mir zum Stehen kommt sehe ich 4 Löcher in verteiler Streuung von 3 bis 10. Moment 4? Es waren doch 5 Schüssen. Oh Mann da habe ich am Anfang wohl noch nicht mal die Scheibe getroffen. Es klärt sich auf, als der Schütze rechts neben mir auf seiner Scheibe ein Loch zu viel findet. Ich hatte mich scheinbar so darauf konzentriert die richige Scheibe zu treffen, dass ich in meiner Aufregung am Anfang wohl dann genau die Nachbarscheibe ins Visier nahm. Passiert mir nie wieder. Habe ich gelernt.

Die zweite Reihe mit 5 Schüssen lege ich anders auf. Der Schaft liegt jetzt direkt auf dem Holz auf, meine linke Hand ruht auf meinem rechten Oberarm. Der Anschlag wird gleich sehr viel ruhiger, das Ergebnis mit 3 mal 10 und 2 mal 9 sehr viel besser. Dem Hinweis von Gehrhard, dass im jagdlichen Einsatz mit dieser Auflage die manchmal benötigte Flexibilität nicht gewährleistet sein muss ich unumwunden zustimmen. Ich denke es war mein Ehrgeiz, dass ich nach dem ersten Schussbild mir selbst beweisen wollte, dass ich das kann. Somit habe ich die Aussenbedingungen so verbessert, dass ich Erfolg hatte. Aber es ist wie immer im Leben:
Nur dass was unter suboptimalen Bedingungen gerlernt wird funktioniert auch unter optimalen Bedingungen. Umgekehrt ist das selten der Fall. Also das nächste Mal die Linke Hand unter den Schaft und Realität üben.

Gegen 21 Uhr trennen sich unsere Weg und ich mache mich zufrieden auf die 1,5 Stunden Rückreise. Nette Menschen kennengelernt, ganz vernünftig beim Schießen angestellt und Vorfreude auf den nächsten Termin im Herz. Was will ich mehr?

Die richtige Jagdausbildung finden

Die Jagdausbildung in Deutschland resultiert in der sogenannten Jägerprüfung. Die Jägerprüfung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland im Umfang aber die Prüfungen werden untereinander anerkannt. So kann ich als z.B. in Bayern wohnsitzender auch in Baden-Würtemberg die Prüfung ablegen.

Die Prüfung selbst zerfällt in den meisten Bundesländern in einen Schiessteil, einen theoretischen Multiple-Choice Teil und einen praktischen Teil. Oft finden Theorie und Schiessprüfung an einem und der praktische Teil an einem zweiten Tag statt.

Soweit zum Ziel, jetzt zum Weg.

Es gibt zwei grosse Ausbildungs-Wege um zur Prüfung zugelassen zu werden, denn man benötigt in den meisten Bundesländern den Nachweis einer Ausbildung mit einem Mindeststundenanteil. Einerseits kann diese Ausbildung durch die Jagdverbände stattfinden, andererseits durch eine private Jagdschule.

Für mich erschien die private Jagdschule besser mit meinem Beruf und Privatleben vereinbar, da hier neben Schulungen von einem Jahr oder mehr  Dauer auch solche im mehrwöchigen Blockunterricht angeboten werden. Im Gegensatz dazu bieten die miesten Jagdverbände halbjährliche bis Jahresschulungen mit Terminen meist unter der Woche und am Wochenende. Dies ist mit meiner beruflichen Situation als Wochenendpendler nicht vereinbar, da ich unter der Woche in der Schweiz und am Wochenende in Deuschland bin. Somit war also klar, dass es eine Jagdschule werden sollte.

Bei den Jagdschulen gibt es unterschiedliche Konzepte. Die meisten gehen von der Idee aus, dass der Schüler zwei bis vier Wochen im Block beschult wird und dann zur Prüfung antritt. Das Extremste was ich gefunden habe waren 14 Tage inkl. Prüfung. Wenn ich davon ausgehe, dass die Prüfung 2 Tage dauert, dann sind das 12 Tage Kurs. In dieser Zeit alles prüfungsrelevante zu den einzelnen Themen zu festigen, denn in jeder Variante muss vorab zu Hause gelernt werde,  hielt ich für meine Fähigkeiten für zu sportlich. Die Variante mit 3 Wochen fand ich machbar, die vierwöchigen Varianten würden mich fast meinen kompletten Jahresurlaub kosten.
Ich war mir klar, dass solche Blöcke natürlich zwar das Wissen vermitteln können, aber die Anwendung des Wissens, also das Erlenernen, Begreifen und Verinnerlichen würde im Wesentlichen erst nach der Prüfung stattfinden können.

Bis ich bei meiner Suche auf eine Jagdschule traf die diese Dilemma thematisierte und mir auch eine Lösung versprach. Praktisch das Beste aus beiden Welten. 3 Monate Gesamtdauer in 4 Blöcken. 2 der Blöcke in den Ferienwochen von Ostern und Pfingsten jeweils von Samstag bis Samstag bringen mir z.B. bei insgesamt nur 8 Tagen Urlaub 12 Ausbildungstage, ein Block liegt über dem Himmelfahrts Brückentag bei 1 Tag Urlaub zu 4 Ausbildungstagen usw. So komme ich in den 3 Monaten auf insgesamt 22 Tage Ausbildung bei nur 9 Tagen Urlaub. Und es gibt genug Zeit zwischen den Blöcken das Erlernte zu festigen. Perfekt. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit ein Seminaren Dritter Anbieter wie einem Anschussseminar (zur Verbesserung des Erkennens der Trefferlage durch Anschussspuren) und einer Sachkundeschulung zum Thema Trichinenprobeentnahme.
Als Schiesstermine werden insgesamt 10 Termine in den Abendstunden angeboten. Davon liegt knapp die Hälfte in Blockzeiträumen mit einer prüfungsnahen Verdichtung der Termine.

Vor allem aber das Leitbild des Learning by Doing hat mich angesprochen: Es gibt im Winter die Möglichkeit an Drückjagden als Treiber teilzunehmen und beim Schiessen wird nicht auf das Prüfungsergebnis geübt, sondern in Jagdkalibern mit ordentlichem Rückstoss wie der .308 Win.

Somit hatte ich die für mich richtige Schule gefunden. Die jeweilgen Überlegungen sind sehr individuell. So hat ein Freund von mir mit seiner Frau den Kurs beim Jagdverband gemacht und war ebenso zufrieden, da diese Kurse mit seiner beruflichen und familiären Realität zusammenpassten.

 

Warum will ich Jäger werden?

Tja, ne gute Frage.

Hätte mir jemand noch im Jahr 2013 gesagt, dass ich im Jahr 2017 einen Termin für meine Jägerprüfung haben werde, so hätte ich das entrüstet zurück gewiesen. Entrüstet deshalb, weil ich zu dieser Zeit ein im besten Fall neutrales Verhältnis zur Jagd hatte. Als Ornithologe und begeistertes Mitglied im Landesbund für Vogelschutz waren Jäger einerseits Verbündete beim Wanderfalkenschutz und gaben andererseits ein Feindbild beim Kormoranabschuss ab und erregten darüber hinaus bei mir ein massives Kopfschütteln bei den öffentlichen Aussagen der Jagdverbände zu Luchs und Wolf.

Der Mensch hat durch den beginnenden massiven Eingriff in Natur und Landschaft, beginnend mit der Sesshaftigkeit vor rund 6000 Jahren im Gleichgewicht der Natur massiv mitmischt und dieses verändert.  Meist mit einer im Rückblick befremdlichen Naivität, gestalten wir Artenvielfalt und Anzahl der Individuen. Dort wo der Mensch sich durch Bejagung selbst an das obere Ende der Nahrungskette gesetzt hat und alle anderen konkurrierenden  Predatoren wie Bär, Wolf oder Luchs entweder ausgerottet, oder so stark dezimiert hat, dass das Gleichgewicht massiv gestört ist muss durch erneuten Eingriff ausgeglichen werden, da sonst andere Folgeschäde auftreten.

Dazu ein kleines Beispiel: Der Fuchs überträgt die Tollwut. Tollwut ist für domestizierte Tiere und den Mensch eine sehr gefährliche meist tödliche Krankheit. Deshalb ist es merh als vernünftig die Tollwut zu bekmpfen. Zur Ausrottung der Tollwut wurden Füchse durch präparierte Köder geimpft. Mit Erfolg. Die Tollwut gilt in unseren Breiten als entweder beseitigt oder im Griff. Der Nachteil ist, dass der Tollwut auch keine Füchse mehr zum Opfer fallen und somit die Population steigt. Füchse sind Fleischfresser, die auch gerne mal Eier und Kücken von Bodenbrüter als Beute nehmen. In dieser Gleichung bedeutet mehr Füchse weniger Bodenbrüter wie Brachvogel oder Pfuhlschnepfe. Die Natur hatte die Tollwut als bestandregulierende Massnahme für den Fuchs entwickelt. Dieses natürliche Gleichgewicht ist verschoben. Hier bemühen sich Jäger das Gleichgewicht wieder hestzustellen. Gleiches gilt für neu eingeführte Arten wie Marderhund, Mink oder Waschbär die mangels natürlicher Feinde in der Population massiv ansteigen und nicht nur den Vogelbeständen stark zusetzen.

Als Hobby-Ornithologe bin ich also schon einmal für die Reduktion von Arten die Schäden in Vogelopulationen anrichten. Somit ist Jagd für mich in manchen Bereichen Artenschutz.

Doch nicht nur die Tollwut, auch die rasante Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest, die teils schweren Verkehrsunfälle mit oder wegen Schwarzwild und die um sich greifende und vor allem Hunde tödlich befallende Aujeszkysche Krankheit machen die Bestrebungen zur Reduktion der Anzahl der Wildschweine für mich nachvollziehbar. Wildschweine sind darüber hinaus Allesfresser die auch gerne mal ein Rehkitz oder Bodenbrüter mitnehmen.

Nur so am Rande : Die immer mal wieder zu lesenden Fälle von Wildschweinangriffen geben meines Erachtens ein sehr fokussiertes Bild der Gefährdung wieder und sind für mich kein Argument eine Bejagung zu forcieren. Die Gefählichkeit für den Menschen im Fall von rauschenden Keilern oder Bachen im Kessel steigt natürlich mit der steigenden Individuenanzahl aber insgesamt ist das Risiko für den Menschen vernachlässigbar gering.

Apropos Wildschwein, dieses schmeckt im Gegensatz zum Fuchs (OK, Fuchs habe ich nicht probiert, sondern nur gelesen, aber da war das Bild relativ eindeutig) besser und das führt mich zu meinem zweiten Punkt.

Jagd dient dem Erwerb von echter Bio-Nahrung. Ich hatte diesen Gedanken als ich mal wieder einen Tiertransporter auf der Autobahn überholte und die Schnauzen der armen Schweine aus den Beatmungsschlitzen sah. Das ist für mich kein Umgang mit der Kreatur. Stundenlanger Stress und dann das industriehafte Schlachten der Tiere durch Betäubung und Ausblutung.
Natürlich könnte ich Vegetarier werden und mich aus dieser Argumentation entfernen, aber ich esse gerne Fleisch und es gibt noch andere Arten der Tierbewirtschaftung. Aber selbst den ökologischen gehaltenen Tieren steht wegen der gesetzlichen Lage meist der letzte Weg zum zentralen und industriellen Schlachthof bevor.
Die Anzahl der Landwirte welche  ihre ruhenden und wiederkäuenden Tiere auf der Wiese durch Kopfschuss schnell und ohne Stress töten dürfen ist in Deutschland verschwindend gering.
Als Jäger habe ich alleine es in der Hand auf welche Art und Weise und wie schnell ein Tier stirbt. Wenn ich gut schieße, das Ziel richtig und gut mit dem richtigen Geschoss treffe, dann dauert der Sterbevorgang im Idealfall nur ein paar Millisekunden, im normalen Fall ein paar Minuten. Wenn ich mich schlecht verhalte, unbedingt Beute machen will und den Respekt und meine Verpflichtung einen schnellen Tod zu bringen vergesse, dann kann ich einem Tier durch meinen Fehler sehr langes Leid zufügen.
Es liegt an mir, ob ich es ertragen kann auch ohne Beute machen auf Jagd zu gehen.
Ich muss aber auch bereit sein ein durch mich verletztes und geflüchtetes Tier zu verfolgen und im schlechtesten aller Fälle mit einer Klinge (z.B. Der Saufeder) zu töten. Genau diese Vorstellung hat mich ein paar Tage beschäftigt. Bekommst Du es hin auf eine angeschossene, von Hunden gehaltene Sau zu springen und ihr die Klinge ins Herz zu stossen (nicht der Regelfall, aber ein mögliches Szenario). Erst als ich diese Frage klar mit Ja beantworten konnte habe ich mich zum Kurs angemeldet.
Das Fleisch kommt eben nicht aus dem Supermarkt, sondern wird durch das archaische Nehmen eines Lebens gewonnen.

Der dritte Punkt mutet beim ersten Lesen vielleicht etwas widersprüchlich an, aber Jagd ist eben manchmal auch Tierschutz.
Ich hatte mit meinem Auto in meinem Leben erst zwei Tierunfälle. Beim ersten ist mir auf eisglatter Strasse ein Reh seitlich in mein im Weg stillstehendes Auto geschlittert und nach beiderseitiger Verwunderung weitergelaufen, beim zweiten habe ich die Feldhasenpopulation der Insel Rügen um ein Exemplar dezimiert. Leider laufen solche Unfälle nicht immer so einfach. Oft ist das Tier schwer verletzt und schleppt sich davon. Manche verenden, manche bleiben lebenslang durch Verstümmelung und Schmerzen gezeichnet. Aber auch ohne menschliches Zutun ausgelöste Infektionen, Parasitenbefall, Erblindung oder Verletzung durch Balzkämpfe können beim Tier Leiden auslösen. Der Jäger nimmt diese in der Jägersprache „kranken“ Tiere aus der Population und erlöst sie so vom Leid. Etwas sehr ähnliches musste ich bei von meinen Katzen angebrachten Kaninchen, Vögeln, Maulwürfen und Mäusen machen, ich wusste also, dass ich das kann, auch wenn ich solche Momente nicht herbei sehnte.

Als vierten Beweggrund geht es mir um die Naturerfahrung. Ich hatte das Glück meine Kindheit und Jugend auf einem Dorf verbringen zu können. Lager im Wald bauen, Feuer machen und lange Märsche kenne ich schon lange. Ich geniese es jetzt beim Golf an der frischen Luft zu sein und beim Vogelbeobachten Berge zu besteigen oder mir Steinböcke beim Wandern anzusehen. Das Jagen verbindet diese Hobbies (na gut die Verbindung zum Golfen suche ich noch), gibt mir praktisch eine Klammer um all das. Hecken pflanzen, Hochsitze bauen, mit den Landwirten arrangieren, alleine im Wald die technische Ruhe geniessen. Das bringt die Jagd und gleichzeitig erfüllt sie ein Bedürfnis auf den untersten Stufen der Maslowschen Bedürfnispyramide: Nahrung beschaffen. Sich körperlich und geistig anzustrengen um etwas für mich und mein Selbst wichtiges zu tun. Ein Reh nicht nur zu töten, sondern es aufzubrechen, es aus der Decke zu schlagen und es zu zerwirken. Das Fleisch nachher auf dem Teller zu haben und sich erinnern was für ein wunderschönes Tier es war, dass es schnell starb und dass es nicht selbstverständlich ist Fleisch zu essen, sondern dass Verlust und Arbeit im Ergebnis steckt.
Darauf freue ich mich, da es mich auf mein eigenes Ökosystem zurückwirft. Keine Selbsterfahrung im indischen Ashram sondern Selbsterfahrung im heimischen Wald.
Ok, das klingt sehr esoterisch, aber in einer Welt in der Hippster so aussehen, also ob sie jeden Morgen einen Ster Holz vor dem Frührstück schlagen nur um dann in der Drogerie Bartöl zu kaufen, begegnet uns zwar einerseits das Wollen von archaischen Erfahrungen, aber wenn dann bitte in der Light-Version. Ich persönlich möchte halt die Full-Version.

Und last but not least finde ich den Wandel in der Jägerschaft sehr spannend. Wenn ich vor 20 Jahren als junger Umweltschutz-Student mich mit einem Jäger unterhielt, dann waren die Fronten klar. Hier ein verweichlichter Tierstreichler und dort ein trophäengeiler Ewiggestriger.
Ich gebe zu diese Position hat sich auf meiner Seite herausgewachsen und ich glaube wahrzunehmen, dass sich auch die Jägerschaft weiterentwickelt. Es kommt mit den steigenden Zahlen der Jäger auch frisches Blut und andere Denkweisen. Es kommt zu einem differenzierteren Auseinandersetzen mit den Themen. Eine meiner Lieblingszeitschriften zum Thema Jagd „Wilde Hunde“ hatte vor kurzem eine Homestory mit Tom Angelripper dem Sänger der Heavy-Metal Band Sodom. Mich hätte es fast vom Stuhl gehauen. Das Idol meiner Jugend ist seit seiner Jugend ein Waidmann. Die Bilder zeigen einen sehr zufriedenen Jäger weit weg vom stressigen Musikgeschäft. Ja, so bunt ist auch die Welt der „Grünröcke“, nur habe ich das Gefühl dass das Bunte in den letzten Jahren mehr auffällt. Ich hatte noch nie so viele gute Gespräche mit Jägern wie vor meinem endgültigen Entschluss selbst einer zu werden. Sehr vernünftige und abgeklärte Sichtweisen. Oft frei von Dogmen und sehr differenziert.

Tja und was soll ich sagen. Am Ende dieser Überlegenungen stand er Entschluss fest selbst ein Grünrock werden zu wollen (wobei mir als Fan der Serie „Firefly Serenity“ natürlich ein Brown Coat besser steht und ich auch braun als meine Farbe für Jagdkleidung auserkoren habe).